Mit dem Internet will sich Roman Herzog künftig intensiver beschäftigen. Dazu hat er jetzt auch quasi den offiziellen Auftrag, denn der Alt-Bundespräsident und frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts ist seit Montag Schirmherr des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Das Institut hat seinen Sitz im Mittelweg. "Schon als Verfassungsrichter war ich fasziniert von neuen Themen", sagte Herzog. Auch das Internet stehe mit seinen Risiken und Chancen erst am Anfang seiner Entwicklung. Sich der Herausforderung zu stellen, bei der Gestaltung mitzuwirken, hat ihn "zum Ende meines Lebens sofort gejuckt", sagte der 78-Jährige in Hamburg. "Die Leitplanken für die denkbare Entwicklung müssen nun ausgearbeitet werden."
Im Zusammenhang mit der Nutzung des Internets gebe es viele Punkte, die jetzt auf die Gesellschaft zukämen. Wohin der Weg führe und welche Chancen daraus entstünden, das müsse erst einmal unabhängig überdacht werden. Und dafür werde er sich jetzt die Zeit nehmen. "Zunächst die Fakten", sagte Herzog, der die Schirmherrschaft des DIVSI von Joachim Gauck übernahm, weil der seit seiner Wahl zum Bundespräsidenten vom DIVSI-Amt zurücktreten musste.
Am Ende soll es nicht darum gehen, den Deutschen zu sagen, ob sie das Internet benutzen sollten oder nicht. "Aber sie sollen damit umgehen können." Herzog verriet, dass sich seine Sekretärin um das Internet kümmere und er auch die größeren seiner neun Enkelkinder bei Handy- und Onlinethemen um Rat fragt. Er müsse zwar noch so etwas wie einen Internetführerschein machen, aber wie beim einen Auto brauche er sich nicht für die dahinter liegende Technik zu interessieren. "Ich weiß, wie man losfährt und bremst. Das reicht."
Das DIVSI ist eine Initiative der Deutsche Post AG. Vorgestellt wurde das Institut im Rahmen der Cebit 2011. Erklärtes und ausdrückliches Ziel ist es, einen interdisziplinären Dialog zu mehr Vertrauen und Sicherheit im Internet zu gestalten und mit neuen Aspekten zu beleben, erklärt Direktor Matthias Kammer. Es gehe nicht darum, jungen Menschen zu erklären, wie das Internet funktioniert, den dass wüsste sie meistens viel besser. Aber Themen wie Verantwortung beim Umgang mit dem Internet und Vertrauen auf die Sicherheit befänden sich erst am Anfang ihrer Entwicklung.
Kammer verwies auf die erste Studie des Instituts, die nach seinen Angaben "diametral entgegengesetzte Sicherheitsbedürfnisse" bei den Internet-Nutzern offenbare. Der Studie zufolge fühlt sich die junge Generation der sogenannten Digital Natives im Internet sicher und setzt beim Umgang mit persönlichen Daten auf Eigenverantwortung. Dagegen fühlen sich Digital Immigrants, die zwar regelmäßig aber meist nur notgedrungen im Netz unterwegs sind, stark verunsichert und fordern von der Politik strenge Schutzmaßnahmen.
Die Digital Outsider dagegen hält die Angst, die Kontrolle über persönliche Daten zu verlieren, davon ab, überhaupt online zu sein. "27 Millionen Menschen in Deutschland gehen nie oder so gut wie nie ins Internet - das sind 40 Prozent der Bevölkerung und doppelt so viele, wie zuvor angenommen", so Kammer. 40 Prozent der Internetnutzer sind Digital Natives, die Digital Immigrants machen 20 Prozent aus. Kammer sieht die Politik vor der Herausforderung, die Sicherheitsbedürfnisse der einzelnen Nutzergruppen zu erfüllen. Sein Institut wolle mit seiner Arbeit dazu beitragen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in Fragen von Sicherheit und Vertrauen im Internet zu vernetzen.
No hay comentarios:
Publicar un comentario