viernes, 9 de noviembre de 2012

Twitter sorgt im US-Wahlkampf für Wirbel - DIE WELT

Berlin (dapd). Barack Obama steht der langen Wahlnacht in den USA als Sieger fest, doch es gibt einen weiteren Gewinner: Das Online-Netzwerk Twitter. Der Dienst, über den Menschen kurze öffentliche Nachrichten verschicken und die Mitteilungen anderer Nutzer verfolgen können, ist in aller Munde. Mit diesem Rückenwind will Twitter sich auch in Deutschland zur Bundestagswahl etablieren.

Obama verkündete hier seinen Wahlsieg. "Vier weitere Jahre", lautete die einfache Nachricht, die sein Wahlkampfteam über Twitter schickte, dazu ein Foto des wiedergewählten Präsidenten in inniger Umarmung mit seiner Frau Michelle. Innerhalb von Stunden gaben mehr als eine halbe Million Menschen die Nachricht an ihre eigenen Kontakte weiter. Am Donnerstagmorgen deutscher Zeit hatte sie bereits über 750.000 sogenannter "Retweets" eingesammelt. Auch auf Facebook brach das Bild alle Rekorde. Es steuert auf die Marke von vier Millionen "Gefällt mir"-Klicks zu und ist schon lange das Facebook-Foto mit den meisten Daumen-hoch-Klicks aller Zeiten.

Twitter als Wahlkampffaktor

Dazu berichteten am Wahltag Millionen von Menschen auf Twitter und Facebook von ihrem Wahlerlebnis. 22 Prozent der registrierten Wähler teilten einer Umfrage der Meinungsforscher von Pew zufolge auf sozialen Netzwerken mit, für wen sie gestimmt hatten. Dank Smartphones geht das praktisch aus der Wahlkabine: Hunderttausende schickten Handyfotos über die beliebte App Instagram, einen Bildertauschdienst, der zu Facebook gehört. Auch Prominente wie Katy Perry riefen ihre Fans zum Wählen auf.

Twitter spielte bereits im Wahlkampf eine wichtige Rolle, hier wurden die Debatten gedeutet, Patzer auseinandergenommen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Wahlkämpfer Obama und Gegenkandidat Mitt Romney sowie viele Journalisten und Politiker auf dem Dienst aktiv sind. Jeder kann sich dort anmelden und öffentlich kurze Mitteilungen von höchstens 140 Zeichen in die Welt schicken. Die Nachrichten anderer Nutzer können mit einem Klick abonniert werden und tauchen dann automatisch auf der eigenen Startseite auf. Obamas Mitteilungen verfolgen so mehr als 22 Millionen Nutzer.

Twitter will Bundestags-Spitzenkandidaten anziehen

Deutsche Politiker bewegen sich in bescheideneren Gefilden. Der Bundesumweltminister und bekennende Twitterfan Peter Altmaier (CDU) kommt auf gut 27.000 sogenannter Follower, die seine Nachrichten verfolgen. Die Meldungen von Angela Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert haben mehr als 77.000 Nutzer abonniert. Im Gegensatz zu den USA ist der Dienst in Deutschland noch ein Nischenprodukt. Nur vier Prozent der Internetnutzer sind auf Twitter aktiv.

Der Kurzmitteilungsdienst hofft nun auf den Durchbruch zur Bundestagswahl im nächsten Jahr. Großereignisse wie Wahlen oder Sportveranstaltungen zögen oft neue Nutzer an, sagte der Twitter-Manager für Politik und Nachrichten, Adam Sharp, der dapd vor der US-Wahl. "Ich denke, wir werden dasselbe Muster auch in Deutschland sehen", sagte er.

"Beim Einsatz neuer Technologien und Wahlkampftaktiken ist der US-Wahlkampf in vielerlei Hinsicht ein Trendsetter. Eine neue Taktik wird hier eingesetzt und taucht dann auch international im Wahlkampf auf", sagte Sharp. Dazu muss Twitter allerdings noch Überzeugungsarbeit leisten: Weder die Spitzenkandidaten Angela Merkel (CDU) noch Peer Steinbrück (SPD) sind derzeit mit einem eigenen Profil auf dem Dienst vertreten.

(Obamas Twitternachricht: http://url.dapd.de/AAHCqE

Obamas Facebooknachricht: http://url.dapd.de/7f75DX )

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