Die oft erzhlte Geschichte geht so: Da gibt es den Firmenchef oder den Personalentscheider, bei dem sich ein junger Mann und eine junge Frau nach ihrem Schulabschluss um einen Ausbildungsplatz bewerben. Der Personalentscheider sucht nach Erhalt der Bewerbung nach den Namen der beiden bei Facebook und findet von dem jungen Mann Fotos, auf dem der Jugendliche bei der Abifeier angetrunken zu sein scheint, und von der jungen Dame die "Like"-Angabe bei einer politischen Gruppierung.
Der Personalentscheider sagt beiden ab, denn er will in der Firma niemanden, der Alkohol trinkt, und vertritt eine andere politische Meinung als die Bewerberin. Dieser Fall der Effekte von Facebook-Profilen, die nicht nur fr Freunde einsehbar sind, ist konstruiert, doch er ist mglich und sogar wahrscheinlich. Es gibt Personalentscheider, die so funktionieren.
Hart gesagt gibt es also nur zwei mgliche Ratschlge fr Sie und Ihre Kinder in Bezug auf die Nutzung von Facebook oder dem Internet generell, das schlielich auch an vielen anderen Stellen Mglichkeiten zur Selbstdarstellung bietet.
Der erste davon lautet: Verffentlichen Sie keinerlei persnliche Meinungen, Fotos, Interessen oder Vorlieben im Internet. Egal, was Sie ffentlich im Netz tun - und fast alles, was Sie im Netz tun, ist mehr oder weniger ffentlich: Irgendjemand knnte im Verlauf Ihres Lebens daran Ansto nehmen und Ihre Karriere negativ beeinflussen, indem er Ihnen zum Beispiel einen Job nicht gibt.
Schaffen Sie es, Nein zu sagen
Oder aber Sie befolgen den zweiten Ratschlag: Erziehen Sie Ihre Kinder zu starken und eigenstndigen Persnlichkeiten, die den Job von einem solchen Personalentscheider erst gar nicht wollen, der offenbar zu bigott ist, um zugeben zu knnen, dass er auch mal gefeiert hat, und der sich an der politischen Einstellung einer jungen Frau strt, noch bevor er sie als mgliche Mitarbeiterin kennengelernt hat. Und sorgen Sie, soweit dies in Ihrer Macht steht, vor allem dafr, dass Ihre Kinder in ihrem zuknftigen Berufsleben anders mit Menschen umgehen als dieser Personalentscheider.
Die beiden Ratschlge sind Extreme, das tatschliche Online-Verhalten unserer Kinder wird im gesunden Mittelweg liegen. Doch im Kern sind die Aussagen korrekt, denn die gesellschaftlichen Herausforderungen, vor die uns das Internet im Allgemeinen oder Facebook im Speziellen stellen, sind menschlicher Natur, und fr welchen persnlichen Umgang mit den digitalen Medien wir uns entscheiden, hngt von unserer individuellen Sozialisierung, unserem beruflichen und privaten Umfeld und unserem Charakter ab.
Niemand zwingt Sie, Facebook zu nutzen. Vielleicht haben Sie Freunde, die sie dazu drngen wollen, weil es "so schn einfach" sei, vielleicht wollen Sie von diesen Freunden jedoch gar nicht tglich ber deren Aktivitten informiert werden, vielleicht haben Sie auch einfach genug andere Dinge zu tun oder Ihnen ist ein bisschen unwohl bei dem Gedanken daran, dass Mark Zuckerberg wei, welche Musik Sie mgen. Dann sagen Sie "Nein" zu Facebook. Sie schaffen das.
Keine totale Kontrolle ber Daten
Fr Ihre heranwachsenden Kinder stellt sich die Sache ab einem gewissen Alter unter Umstnden jedoch etwas anders dar. Gerade bei angehenden Teenagern und Jugendlichen, die bereits mitten in der Pubertt stecken, kann der Wunsch nach Gruppenzugehrigkeit, der Drang zur Selbstdarstellung und die eigene Eitelkeit solche an sich freien Entscheidungen mit beeinflussen und der soziale Druck wachsen, bei Facebook mitmachen "zu mssen". Weil alle anderen ja auch ... na, Sie wissen schon.
Natrlich geben wir unseren Kindern dabei generelle Empfehlungen mit auf den Weg. Wir legen ihnen den gewissenhaften Umgang mit ihren Privatsphren-Einstellungen bei Facebook ans Herz. Wir raten ihnen bei der Verffentlichung von Fotos, auf denen Dritte zu sehen sind, diese vorher um Erlaubnis zu fragen. Und wir bitten sie instndig, nichts zu verffentlichen, das nicht sowieso jeder sehen oder wissen darf - denn selbst, wenn ein Foto auf Facebook nur fr drei Freunde sichtbar ist, kann jeder von ihnen das Foto auf seinem lokalen Computer speichern und es dann per Handy oder E-Mail an Dritte weiterleiten. Vllig kontrollierbar sind digitale Daten also nie.
Unsere Eltern-Einschtzung dessen, was jeder sehen und wissen darf, unterscheidet sich dabei aber wahrscheinlich massiv von der unserer Kinder. Als Eltern mgen wir ein wenig zu besorgt sein und eine endlose negative Tragweite im Falle eines Falles befrchten, whrend unsere Kinder naiver und sorgloser mit ihren Daten umgehen. Gerade fr junge Menschen, denen Mode, Styling und Selbstdarstellung enorm wichtig sind und die sich gerne erwachsen und manchmal auch "sexy" prsentieren wollen, ist es mitunter nicht leicht, den Vorstellungen der Eltern zu entsprechen. Fr die es wiederum oft schwer ist, den Selbstdarstellungsdrang ihrer Kinder zu ertragen.
Beistand, Hilfe - und im Notfall die Polizei
Ein Stck weit mssen wir da durch. Und ein anderes Stck weit gilt es, im Gesprch mit den Kindern deutlich zu machen, warum wir uns sorgen, wenn wir zum Beispiel ihre Fotos zu aufreizend oder zu privat finden. Reden Sie hierbei Klartext mit Ihrem Sohn und Ihrer Tochter: Es gibt Menschen, die freizgigere Fotos als Einladung fr Flirtversuche oder im wahrsten Sinne des Wortes schlichte Anmache missverstehen. Und mit diesen will das Netzgemse sicher nichts zu tun haben, denn sie sind mindestens nervig und aufdringlich und im schlimmsten Fall auch gefhrlich.
Um solche Menschen generell zu vermeiden, sollten Sie sich und Ihre Kinder zustzlich mit den diversen Sperr-, Melde- und Blockierverfahren bei Facebook und anderen Diensten vertraut machen. Zustzlich zu den generellen Einstellungen zur Privatsphre kann jeder Teilnehmer ohne Angabe von Grnden einzelne andere Facebook-Nutzer dauerhaft blockieren, also vllig vom eigenen Profil aussperren, diesen ist es danach nicht mehr mglich, Kontakt aufzunehmen oder Fotos oder andere eigene Verffentlichungen einzusehen. Eindeutig aufdringliche Personen oder gar Menschen, die einem ungefragt Fotos mit etwa sexuellen Inhalten schicken, kann man zudem mit wenigen Klicks bei Facebook nicht nur sperren, sondern zustzlich auch wegen Missbrauchs und Belstigung nicht nur bei Facebook, sondern in letzter Konsequenz auch bei der Polizei melden, also anzeigen.
Sprechen Sie auch ber diese Mglichkeiten mit Ihren Kindern, bestehen Sie darauf, dass sie diese Funktion kennen und im Falle eines Falles auch nutzen. Und versichern Sie ihnen vor allem, dass sie auch im Fall von Online-Problemen mit Ihnen reden knnen und Beistand und Hilfe finden.
Dieses Kapitel ist ein Auszug aus "Netzgemse" von Tanja und Johnny Haeusler. Das Buch erscheint Mitte November im Goldmann-Verlag und kann ab sofort vorbestellt werden.
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