Seit dem Börsengang im Mai sind bereits mehrmals Haltefristen abgelaufen. Und immer kam es zu Kursverlusten
Like oder dislike das ist hier die Frage. Am heutigen Mittwoch dürfen die Mitarbeiter von Facebook entscheiden, ob sie die Aktien ihres Arbeitgebers weiter mögen und halten wollen oder ob sie lieber Kasse machen. Ab heute ist es den Mitarbeitern erlaubt, sich im großen Umfang von ihren Anteilscheinen zu trennen. Für insgesamt 777 Millionen Aktien läuft die Haltefrist ab. Das ist mehr als ein Drittel aller an der Börse gehandelten Aktien. Der Markt könnte mit Facebook-Aktien also regelrecht überschwemmt werden.
Für Facebook ist es der Tag der Wahrheit. Denn wer könnte besser die Chancen eines Unternehmens einschätzen als die eigenen Mitarbeiter. Indirekt zeigt sich auch, ob die eigene Belegschaft noch an eine große Zukunft des einstigen Silicon-Valley-Darling glaubt. Solche Insider-Transaktionen gelten daher als wichtiges Signal für die Märkte.
Schlechte Nachrichten kann das weltgrößte soziale Netzwerk nicht gebrauchen. Seit dem Börsengang im Mai hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Das Unternehmen, das zu besten Zeiten 100 Milliarden Dollar wert war, bringt es gerade noch auf 43,2 Milliarden. Auch operativ könnten die Schlagzeilen besser sein. So leidet Facebook unter Qualitätsschwund. Falsche Profile und rätselhafte Bewertungen bei den Mitgliedern haben eine Debatte über die Sicherheit losgetreten.
Andererseits sind die Geschäftszahlen zum dritten Quartal besser als erwartet ausgefallen. Analysten waren daraufhin gezwungen, ihre Gewinnprognosen und Kursziele nach oben anzupassen. Die Aktie schoss direkt nach Bekanntgabe der Zahlen nach oben, allerdings sind diese Kurszuwächse inzwischen wieder vollständig ausgelöscht.
Es nützt wenig, wenn Analysten nach den herben Kursverlusten wieder deutliches Potenzial für die Aktie sehen. Im Durchschnitt taxieren die Profis den fairen Wert der Anteilscheine auf 30 Dollar, also 50 Prozent über dem aktuellen Kurs. Optimisten wie der renommierte Piper-Jaffray-Internet-Analyst Eugene Munster trauen der Aktie sogar eine Kursverdoppelung zu. Allerdings gelten die Bankenprofis nach dem vergeigten Facebook-Börsengang nicht gerade als Instanz für Glaubwürdigkeit. So war der Ausgabekurs im Vorfeld der Emission mehrfach nach oben genommen worden. Kurz nach dem Börsengang wurde dann bekannt, dass eine der Konsortialbanken während des Verkaufsprozesses ihre Gewinnprognosen gestutzt und davon nur gute Kunden informiert hatte.
Auch der Start im Mai verlief alles andere als reibungslos. Just am Tag des Börsengangs brach in den ersten Handelsminuten die Börsenplattform Nasdaq zusammen, so dass sich ein Rückstau von Aufträgen bildete, der zu chaotischen Kurskapriolen führte. In der Spitze stieg die Aktie vom Ausgabekurs bei 38 Dollar auf 45 Dollar, stürzte aber schon bald ab. Bereits am zweiten Handelstag schloss die Aktie mit 34,03 Dollar unter Ausgabepreis. Geprellt waren insbesondere Kleinanleger, die darauf gesetzt hatten, dass sich die beispiellose Erfolgsgeschichte an der Börse wiederholt.
Mehr als eine Milliarde Nutzer tummeln sich bei Facebook das ist rund jeder siebte Mensch auf dem Planeten. Doch geschäftlich läuft es eher mau: Die überlebenswichtigen Werbeeinnahmen sprudeln schwächer als erhofft. Problem ist die steigende Verbreitung von Smartphones, auf deren kleinen Bildschirmen sich schlechter Anzeigen platzieren lassen. Vor diesem Hintergrund schaut die Börse kritisch hin. Bereits beim Auslaufen früherer Haltefristen mit vergleichsweise geringen Stückzahlen war der Kurs empfindlich gefallen. So war mit dem deutschstämmigen Risikokapitalgeber Peter Thiel einer der prominentesten Facebook-Finanziers der ersten Stunden fast komplett ausgestiegen. Auch der ehemalige Zuckerberg-Zimmergenosse aus Studentenzeiten und Facebook-Mitgründer Dustin Moskovitz trennte sich von einem Teil seiner Papiere. Erst vor wenigen Tagen hatte auch Facebooks Nummer zwei, Sheryl Sandberg einige Aktien versilbert.
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